Eventflüchtlinge

Seit ein paar Monaten benutzen wir von Nordkaos den Slogan „Eventflüchtlinge – Denn cool ist ohne Kommerz“ auf T-Shirts, Klebern usw. Doch was verbirgt sich eigentlich genau hinter diesen Begriffen und was wollen wir mit ihrer Verwendung erreichen?
Flüchtlinge sind Menschen, die aus einer bestimmten Lage fliehen. Sie fliehen, weil sie keinen anderen Ausweg sehen. Dabei nehmen sie unglaubliche Strapazen auf sich, beseelt von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft für sich und ihre Nachkommen. Und genau das tun auch Eventflüchtlinge. Sie haben genug von einer Welt, in der alles Mögliche zu einem Mega-Event stilisiert wird. Insbesondere im Bereich des Profi-Fußballs wurde in den letzten Jahren alles ‚eventisiert’. Ein normaler Nachmittag im Stadion ist ja nicht genug. Da muss doch mehr sein. Allein mit Fußball (oder so ziemlich jeder anderen Sportart oder Kulturveranstaltung) lockt man doch zu Zeiten von Internet und iPhone nun wirklich keinen mehr hinterm Ofen hervor. Da muss etwas Besonderes geboten werden. Dann tut man halt so, als ob das 776. Aufeinandertreffen von Arminia Bielefeld und Energie Cottbus etwas einzigartiges ist. Und weil das so natürlich keiner glaubt, muss man unbedingt ein duftes Rahmenprogramm vor dem Spiel und in der Halbzeit liefern. Wer geht denn schon ins Stadion, nur um Fußball zu schauen? So werden also Plastikflaschen um die Wette aufgeblasen oder es wird aus 50 Meter Entfernung versucht, die Latte zu treffen. Alles nur, um jeden im Stadion zu etwas vermeintlich Besonderem zu machen. Das verlangt das Publikum einfach.

Ist das aber wirklich so? Muss wirklich alles zum „Event der Superlative“ werden?  Unsere Antwort lautet ganz klar: “Nein, denn cool ist ohne Kommerz!“
Das sagen noch eine ganze Menge Leute mehr als wir in unserer kleinen süßen (richtige Ultras setzen hier gerne mal das Wort „lächerlich“ ein) Gruppe. Viele von denen pilgern aber nichtsdestotrotz Woche für Woche in die Event-Tempel dieses Landes. Klar, dabei halten sie hübsche „Gegen den modernen Fußball“-Doppelhalter in die Kameras von Sky & Co, verstehen aber nicht, dass sie längst zum Teil des Problems geworden sind (soviel zu „lächerlich“).
Und genau an diesem Punkt setzt die Idee „Eventflüchtlinge“ an: Immer mehr Menschen fliehen das Event Profi-Fußball, erkennen, dass der Kampf verloren ist. Sie haben genug von Repressionen durch Fußball-Unternehmen oder durch die Staatsmacht. Sie möchten den Fußball so leben wie sie das wollen, in Freiheit, in Unabhängigkeit.
Der Amateurfußball ist das Auffangbecken für all diese Enttäuschten. Zwar ist auch hier längst nicht mehr alles Gold was glänzt, dennoch bieten sich den Flüchtlingen hier ungeahnte Möglichkeiten. Oben genannter Slogan ist ein erster Schritt, dieser Bewegung einen Namen zu geben. Auch versuchen wir, auf diese gewollt plakative Art und Weise Öffentlichkeit für das Schicksal der Eventflüchtlinge zu schaffen.  Mittel- bis langfristig ist es unser Ziel, die Eventflüchtlinge (zunächst Nord-) Deutschlands miteinander zu vernetzen, um so von den Erfahrungen der Anderen zu profitieren und auch um den vielen kleinen Gruppen, die ernsthaft versuchen, im Amateurfußball etwas aufzubauen, zu zeigen, dass sie nicht alleine sind, dass es andere wie sie gibt und dass es machbar ist, abseits vom Event seinen Verein mit Leidenschaft und Engagement zu unterstützen.
Wer sich also als Eventflüchtling fühlt, kann zu einem fairen Tarif T-Shirts und/oder Kleber bei uns erwerben, um dies auch nach Außen hin Kund zu tun. Um allen zu zeigen, dass es durchaus eine Alternative zum stumpfen Konsumieren gibt, dass ein Ausstieg möglich ist.
Mit uns Kontakt aufnehmen oder diskutieren könnt ihr unter entweder im Stadion oder im Forum.